Bönig-Aussage

Sehr geehrter Herr Bönig,

mit Schrecken, nein, eher mit Wut, musste ich heute kurz vor Arbeitsbeginn in der Glocke lesen, wie Sie sich über die Fans geäußert haben. Zitatnahe Wiedergabe: „Was ich gar nicht verstehen kann, wie die Fans reagiert haben. Wenn die so gegen uns sind, machen Heimspiele keinen Sinn mehr.“

Diese Aussage ist für meine Begriffe an Großkotzigkeit schlecht zu überbieten. Vielleicht kann man sie auch in die Rubrik Dummheit oder Unerfahrenheit verschieben, das bleibt Ihnen überlassen. Ich, und da stehe ich sicherlich nicht alleine, kann, egal wie diese Aussage gemeint war, dies so nicht akzeptieren.

Mit sechs Jahren habe ich für diesen Verein in der Jugend die Stiefel geschnürt. Seit dieser Zeit erlebe ich den TuS/LR Ahlen. Mit Herzblut ist er ein Lebensbegleiter, sogar Lebensinhalt geworden. Und das seit 25 Jahren. Ich habe einem Franz Joksch zugejubelt, habe einem Peter Steinhüser den Ball zugeworfen als man im Rückstand lag und habe mich gefreut wenn ein Erich Quast mich wieder erkannte, wenn ich direkt hinter der Auswechselbank mitfieberte. Das sind alles Namen die für Sie nicht relevant sind, auch nicht müssen, die aber verdeutlichen wie viele Jahre meines Lebens ich die Treue halte. In der D-Jugend habe ich eine Verletzung vorgetäuscht um zeitgleich ein Spiel der Ersten gegen Beckum nebenan verfolgen zu können. Selbst in nicht allzu entfernter Vergangenheit habe ich trotz damaliger Arbeitslosigkeit (= verbunden mit wenig Geld) bis auf drei jedes Spiel auswärts mitverfolgt. Sie, und das werfe ich Ihnen jetzt vor, benutzen „meinen“ Verein als Sprungbrett für höhere Aufgaben und werden sicher bald den Weg Ihres Bruders einschlagen. Wenn sich dieser Verein durch die momentan desolaten Auftritte zumindest aus höheren Liga-Regionen verabschiedet, sind Sie weg, aber ich bin da. Das wichtigste bei diesem Schreiben ist, dass zu fast ausschließlich jeder Zeit in der ich den Verein begleite, eine Mannschaft gesehen habe. Eine Mannschaft die Fußball gespielt hat. Die gekämpft hat, die Leidenschaft vermittelt hat, diese auf die Ränge übertragen hat und die es letztendlich wert war unterstützt zu werden.
Ich weiß, dass Sie zu den wenigen gehören, die sich zerreißen. Das ist auch gut so, denn sonst hätten Sie in meinen Augen komplett verloren. Doch Fakt ist, Sie sind Teil der Mannschaft, sie sitzen im gleichen Brot und zelebrieren als Mannschaft seit August einen Fußball der es nicht wert ist, so genannt zu werden. Es geht nicht darum auf- oder abzusteigen, es geht lediglich darum, wie die Mannschaft sich präsentiert. Wer da die Schuld trägt ist völlig nebensächlich.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass es für Spieler aus fantechnischen Gründen sicher lukrativere Vereine als den LR Ahlen gibt. Doch Sie sind hier. Und fast jeder Zuschauer kommt ins Stadion um auch Sie zu sehen, um Fußball zu sehen mit hoffentlich gutem Ausgang für LR. Gestern waren 3100 Ahlener im Wersestadion. Das ist ungefähr der Schnitt aus der Regionalliga. Das ist der harte Kern, die treuesten der Treuen. Und diese Fans so zu diffamieren kann sich mit Abstrichen, wenn überhaupt, ein großer Spieler erlauben. Einer der sich über Jahre den nötigen Respekt erarbeitet hat, wie ein Herr Daschner, ein Herr Fengler oder ein Herr Bamba, aber nicht Sie! Sie sind 22 Jahre, (Vorsicht Phrase) müssen erst mal da hinriechen, wo andere vorher ihre Duftmarke gesetzt haben.
Klar ist es nicht aufbauend von vielen niedergeschrieen zu werden, natürlich braucht ein Profi Zuspruch von den Fans. Aber den haben Sie, wenn vernünftig gespielt wird. Wenn all die Tugenden erkennbar sind, warum man überhaupt als Junge anfängt Fußball zu spielen. So wie im letzten Jahr gegen Mainz und in zig anderen Partien. Sie dürfen nie vergessen in welcher Gegend Sie einen Vertrag unterschrieben haben. Sicherlich sind sehr viele Dauernörgler oder Ahnungslose und zu wenig Stimmungsmacher im Stadion vertreten, aber auf Kampf reagiert in Ahlen sogar manchmal die Sitztribüne, zumindest aber immer die Stehränge.

Im Grunde tut es mir fast leid so zu urteilen, weil man Sie von einigen Dingen ausklammern muss, aber die Aussage sitzt zu tief. Eine vielgelobte Mannschaft verliert fünf von sechs Heimspiele gegen meistenteils schwache, aber richtig schwache Gegner und ein junger „Fuzzi“ greift die treuen Fans an, statt eigene Fehlersuche zu betreiben, so wie es Musemestre Bamba beim gleichen Interviewer getan hat. Wenn die eigene Leistung stimmt, kommt der Zuspruch von Außen von ganz alleine. So vergrault man sicher eher noch mehr potentielle Akustik- und Gehaltsunterstützer.

Viel Erfolg bei der Operation (was ehrlich gemeint ist)

Herzlichst, Kutte (M.Koch)